Im Juli 2020 entstand ein besonderes Exponat für das Heimat- und Waidmuseum. In der Technik des Brettchenwebens sollte ein Gürtel nach Art des Erfurter Schatzfundes entstehen. Die Vorarbeiten dafür waren bereits in den Vorwochen durchgeführt worden. Für den Gürtel hatten wir Seidengarn mit Waid gefärbt. Grit Zimmermann (TLDA) hatte entsprechende Gewebereste am Schatz analysiert und in ihrem Bericht "Die textilen Reste an den Goldschmiedearbeiten des Erfurter Schatzfundes" im Band 2 des Buches von Sven Ostritz (TLDA) "Der Schatzfund, Analysen - Herstellungstechniken - Rekonstruktionen" ausgewertet. Demnach war einer der Gürtel mit Indigo gefärbt (also Waid, denn es gab damals in Europa nur Waid zum Blaufärben) und mit Sechslochbrettchen gewebt worden. Mit Sechslochbrettchen zu weben war Ansporn und Herausforderung zugleich, meistens webt man mit quadratischen Brettchen mit vier Löchern. Zunächst mussten also die Brettchen erst einmal hergestellt werden - dann konnte der Webstuhl aufgeschärt werden.

Die Brettchen waren so zu schären, dass nur durch jedes zweite Loch ein Kettfaden gefädelt wurde, was trotzdem seine Zeit in Anspruch nahm bei 32 Stück. Außerdem war noch zu beachten, dass bei einem Brettchen die Kettfäden von vorn nach hinten verlaufen (Z-Schärung, Bild 4, oberes Brettchen) und beim nächsten Brettchen von hinten nach vorn (S-Schärung - Bild 4, unteres Brettchen). Damit aber nicht genug, denn im Brettchenstapel folgte auf ein Bezogenes Loch, wieder eins ohne Faden.

Dann konnte man mit dem Weben beginnen. Das Bild 7 zeigt , dass die Brettchen so gestellt sind, dass eine Spitze nach unten zeigt und so von der Seite gesehen zwei Webfächer entstehen, durch welche auch jeweils ein Schussfaden geführt wird. Ist dies beendet, werden die Schussfäden noch einmal angeschlagen, das heißt fest gedrückt und der Brettchenstapel um ein Loch weiter gedreht. Dann werden die Schussfäden wieder durch jeweils eines der beiden Fächer geführt und so weiter.

So entsteht nach und nach ein gewebtes Band - unser Untergrund für die Gürtelapplikationen aus Messing, wie Zierniete, Schnalle und Endstück, welche nach Fertigstellung des Gewebes angebracht wurden.

Der fertige Gürtel ist nun bei uns im Museum als Exponat und Beispiel für ein mittelalterliches Brettchengewebe nach Art von einem der Gürtel aus dem Erfurter Schatzfund ausgestellt.