Wenn man wie wir jahrelang Waid anbaut und somit zahlreiche Ernten hinter sich gebracht hat, wird man neugierig und will einfach mehr sehen, als das "nur" das Zwischenprodukt Waidballen.

Diese waren  dazu geeignet zum Waidhandelsplatz gebracht und von den WaidhÀndlern verkauft zu werden. Aus ihnen wurde der Farbstoff gewonnen, der die Farbe BLAU erzeugte.

Mit der zweiten Ernte 2009 machten wir selbst BLAU.

Schon die erste Ernte des Jahres 2009 war von Frau Minelli von Apis Colori in Erfurt dafĂŒr genutzt worden Waidindigo zu extrahieren. Warum sollten wir nicht auch einmal selbst einen Versuch wagen? Im Heimatmuseum waren die Abbildungen von Niska zum Waidanbau zu sehen, ein WaidmĂŒhlen-Modell, konservierte  WaidblĂŒten und Waidschoten, Waidstroh und Waidballen. Was in der Reihe der Exponate noch fehlte war Waidpulver (Indigo) und ein mit Waid gefĂ€rbter Stoff oder Wolle.

1995 hatte HansjĂŒrgen MĂŒllerott aus Arnstadt im ThĂŒringer Chronik-Verlag ein Heft herausgebracht mit "19 Rezepturen zur Bereitung der blauen Farbe oder zum BlaufĂ€rben aus 2 Jahrtausenden".

Neben der bekannten Methode Waidpulver mittels GĂ€rung und unter Benutzung von Urin herzustellen, gibt es noch andere Verfahren, die weit weniger geruchsintensiv waren.

Am einfachsten schien die Methode, die frisch geernteten WaidblĂ€tter zu waschen und dann sofort mit Wasser zu ĂŒbergießen. Im Rezeptheft war einmal die Rede von heißem Wasser (Rezept aus dem Jahr 1810 - nach Graf Chaptal), dann wieder von kaltem Wasser (Rezept aus dem Jahr 1786 - nach F. A. C. Gren), so dass wir am Ende den Mittelweg nahmen und Versuche mit warmem Wasser durchfĂŒhrten (Rezept aus dem Jahr 1788 - nach Gyorgy Kroneberg).Es wurde gerade soviel warmes Wasser ĂŒber die BlĂ€tter gegossen, dass diese gerade  so davon bedeckt warden. Bei der heißen Methode soll mann das Wasser gleich abgießen können, um es weiterverarbeiten zu können, bei der kalten soll einige Stunden bis Tage gewartet werden, bis die GĂ€rung einsetzt.

Wir warteten einen Tag und bemerkten erste "DĂŒfte".Also gossen wir das Wasser ab, welches eine gelbbrĂ€unliche FĂ€rbung angenommen hatte. Beim Abgießen durch in Sieb schimmerte es sogar hellgrĂŒn.

Diese BrĂŒhe konnte nun gerĂŒhrt (geschlagen) werden, um Sauerstoff in die FlĂŒssigkeit zu bringen (Rezept nach F.A.C. Gren von 1786), wĂ€hrend im Rezept von 1788 und anderen verDie zweifelsfrei saure BrĂŒhe musste also in eine basische ĂŒberfĂŒhrt werden. Wir benutzten dazu Natron, welches wir heftig in die FlĂŒssigkeit einrĂŒhrten.merkt war, dass eine Kalklösung zugegeben werden soll.ZunĂ€chst schĂ€umte die FlĂŒssigkeit weiß, dann setzte ein Farbumschlag ein und die BrĂŒhe wurde dunkler. Nach einer Pause wurde die FlĂŒssigkeit erneut geschlagen. Der dabei entstehende Schaum wurde nun hellblau. Nach einer weiteren Ruhzeit (fĂŒr die FlĂŒssigkeit) wurde erneut gerĂŒhrt. Der Schaum, der sich nun bildete hatte eine mittelblaue Farbe angemommen. Einzelne tiefblaue Einsprengsel waren darin zu erkennen. Er fiel auch rasch in sich zusammen.Am Rand des GefĂ€ĂŸes setzten sich Pigmentteilchen ab - Indigo. Da der Indigo wasserunlöslich ist sollte er nun ausflocken und sich als Bodensatz absetzen.

Wir ließen die BrĂŒhe noch einen Tag ruhen, damit sich der Farbstoff absetzen konnte und gossen sie dann vorsichtig ab. Auf dem GefĂ€ĂŸboden hatte sich tatsĂ€chlich ein Satz gebildet.

Wir wuschen diesen Satz mehrmals mit Wasser, denn innerhalb weniger Minuten war er wieder auf den Boden gesunken.

 

Anschließend fĂŒllten wir ihn in eine flache Schale, worin die FlĂŒssigkeit schneller verdunsten konnte.  Die feste Schicht, die danach zurĂŒckblieb war Indigo. Wir kratzten die Schicht herunter und zerstießen sie zu Pulver.  um dieses dann in ein Glas zu fĂŒllen.

Wenn man unsere geringe Ausbeute betrachtet, war es kein Wunder, warum Waid im Mittelalter so teuer war.