Vom Brauhaus zum Markt

Einige Straßen weiter hielten wir vor dem Brauhaus Lüdde, wo seit 1807 gebraut wird.. Hier wird das in der Region gebraute Bier mit Namen Puparschknall gebraut. Dabei handelt es sich, so der Stadtpfeifer, um ein obergäriges Braunbier. Die Besonderheit war, dass den Kunden des Brauhauses erst der Umgang mit diesem Bier erklärt werden musste, da das Gebräu noch unreif, also unausgegoren war. Man musste dem noch unreifen Braunbier die gleiche Menge Wasser hinzugeben und dann in Bügelflaschen füllen. Diese wurden dann einige Tage zum Reifen stehen gelassen. Mancher konnte die Reifung nicht abwarten oder hatte bei der Erklärung des Umgangs mit dem Bier nicht genau hingehört und trank schon vorher davon. Dann geschah das, was passiert, sobald man unreifes Bier trinkt: Durchfall und Blähungen waren die Folge. Daher kam also der Name Puparschknall.

Am Rathaus

An der Marktkirche

Nach einiger Zeit kamen wir an den Marktplatz, der leider von schwerem Baugerät beherrscht wurde - sogar an diesem Sonnabend. Entsprechend lauter musste der Stadtpfeifer vom Rathaus mit seiner schönen Fassade erzählen. Er deutete über das Portal des Rathauses und zeigte den Reichsadler mit dem Quedlinburger Stadtwappen auf der Brust. Darüber stand die Göttin der Wohlhabenheit, Aburantia, die symbolisch ihr Füllhorn über jeden ausschüttet, der darunter steht. Der Stadtpfeifer meinte nur, dass er schon so oft hier drunter stand und noch nie etwas herunter gekommen wäre. Wie verließen den Markt mit dem Baumaschinen und gingen an der Marktkirche vorüber, wo die Straßenhändler, die sich dort aufgestellt hatten gerade ihre Stände mit Gemüse und Blumen einräumten. Hier, vor der Kirche erfuhren wir, dass sie eigentlich einmal direkt am Marktplatz stand, aber durch die Bebauung des Platzes schließlich von ihm getrennt wurde. Gegenüber befand sich ein kleines barockes Gebäude, bei dem es sich um das Goetzesche Mausoleum handelte, einem Überbleibsel vom einstigen Friedhof, der sich an der Kirche befand.

Ehemaliges Rathaus mit Kanonenkugel-Einschlag

Fachwerkskunde

Unser nächster Halt war an der Adler und Rats Apotheke, in deren Fassade noch eine Kanonenkugel zu sehen war, die von einem Beschuss im Jahre 1477 herrührte, wie die nebenstehende Jahreszahl Auskunft gab. Bei dem Gebäude handelte es sich um das ehemalige Rathaus der Stadt. Auch diese Erklärungen musste der Stadtpfeifer etwas lauter vortragen. Hier wurde zwar nicht gebaut, hinter uns spielte jedoch eine Musikgruppe auf der Straße und machte damit auf ein Modegeschäft aufmerksam. Wir gingen um die Marktkircjhe herum und erreichten eine Straßenzeile mit Fachwerkhäusern aus verschiedenen Jahrhunderten. Wir erfuhren, wie man die verschiedenen Fachwerke in welches Jahrhundert einordnen konnte, dass zum Beispiel das mit den kleinen Walzengebilden an den Enden der Balken Häuser aus dem 16. Jh. wären. Über sechs Jahrhunderte Fachwerkbau könne man in der Stadt bewundern. Eines muss scheinbar auch einmal das Haus für den Stadtpfeifer gewesen sein, wie wir am eingeschnitzten Musikinstrument in einem der Balken sehen konnten.

Nach einem Liedchen vor dem Stadtpfeifer-Haus wollte uns der Stadtpfeifer nun zur Hölle bringen. Wir waren gespannt, was das für ein Ort sein sollte und folgten seinem mit Schellen besetzten und dadurch klingenden Schuhen über das Kopfsteinpflaster der Stadt.

An der Hölle

Als Hölle wurde ein altes Haus bezeichnet, so erzählte uns der Stadtpfeifer, das schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts hier errichtet worden war. Aus dieser Zeit ist auch die ungewöhnliche Bezeichnung überliefert. Der Stadtpfeifer gab nach unserer Ankunft am alten Haus wieder eines seiner Lieder zum Besten und wies dann auf den blechernen Vogel über sich. Dar Rabe wird ja oft in Verbindung mit der Hölle und allem Schwarzen gebracht.  Kein Wunder also, dass er das Haus selbst in Form einer Skulptur ziert, und sich wie beschwipst, an die Häuserecke lehnt.
Was es mit dem Weinglas, dass er in seinen Krallen hält auf sich hat, wollte uns der Stadtpfeifer erzählen. Er warnte aber gleich, dass die Geschichte eine wahre Liebesschnulze sei.
So hätte vor langer Zeit ein Gewandschneider in Quedlinburg gelebt, der die Jungfrau Swanhilde so sehr liebte, dass er sie heiraten wollte und deshalb einen goldenen Ring für sie erwarb, um ihn ihr vor dem Traualtar an den Finger zu stecken. Vor der Vermählung verlor er ihn jedoch. Der Schneider konnte sich keinen zweiten Ring leisten und so kam es, dass die Hochzeit abgesagt wurde. Jahre später fand man den Ring jedoch im Nest eines Raben auf dem Dach des Hauses und der Schneider konnte endlich seine Swanhilde heiraten. Zum Dank für das Auffinden des Rings erhielt der Rabe fortan an jedem Hochzeitstag einen Becher mit Wein. Selbstredend wurde jetzt geklatscht und "Oh" und "Ah" gerufen. Da die nächste Besuchergruppe schon wartete, um ebenfalls mehr über die Hölle von Quedlinburg zu erfahren machten wir uns auf den Weg zurück zum Markt.

Weg zum Markt Verabschiedung vom Stadtpfeifer

Inneres der Marktkirche Wegweiser

Dort verabschiede sich der Stadtpfeifer nach unserem Dank und viel Applaus von uns. Jetzt war die individuelle Pause angesagt. Jeder konnte bis 14.30 Uhr machen, wonach ihm der Sinn stand. Einige wollten sich weiter die Stadt ansehen, andere etwas einkaufen oder einfach essen. Jetzt war auch die Gelegenheit sich die Marktkirche von innen anzusehen mit ihrem Hochaltar aus dem Jahr 1700.

Stiftskirche Der Lindenbeinturm gehörte zur Befestigungsanlage der Stadt und war Teil der Stadtmauer.

Auf dem Weg nach Halberstadt zum Dom

Nach zwei Stunden auf eigene Faust durch Quedlinburg trafen alle am Bus ein und die Fahrt nach Halberstadt konnte pünktlich beginnen. Bis dorthin waren es ja nicht mal zwanzig Kilometer, die wir rasch zurückgelegt hatten.

 

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